In der Pause der Marschprobe am Sonntag, 30.03.2008 hat unsere 1. Vorsitzende Sabine Binzberger zu uns gesagt, dass wir die Möglichkeit haben, bei einem Werbespot für Hyundai anlässlich der EM 2008 mitzumachen.
Wie, Werbespot? Ist das vielleicht ein vorgezogener Aprilscherz? Wir konnten das irgendwie nicht so recht glauben. Sogar für die Europameisterschaft? Wahnsinn!
Nein es ist kein Scherz, so Sabine – sie benötigen ca. 12 – 15 Spielleute und ca. 6-8 Mädels der Garde, allerdings ist der Drehtag bereits am kommenden Freitag.
Nun mussten wir schnell abklären, ob wir die gewünschte Anzahl an Personen zusammen bringen.
Wie sich herausstellte, war das kein größeres Problem. Viele der „Älteren“ haben einen Tag Urlaub bekommen und die Schüler wurden für diesen Tag freigestellt. Marina hat ihre Schulleitung allerdings genau am 1. April gefragt, ob sie am Freitag wegen Werbespotaufnahmen mit dem Verein freibekommen kann und da hat man es zuerst für einen Aprilscherz gehalten. Nachdem sie aber versicherte, dass es keiner ist, hat sie dann auch frei bekommen.
In den frühen Morgenstunden am Freitag, 04.04.2008 ging es mit dem Bus nach Frankfurt, da wir bereits um 08.00 Uhr am Stadion in Frankfurt sein sollten. Im Bus haben wir gründlich unser Storyboard (= zeichnerische Version eines Drehbuchs) angeschaut, damit wir ungefähr wussten, was so auf uns zukommt.
Nachdem wir kurz vor Frankfurt noch im Stau standen, haben wir es zum Glück noch rechtzeitig zum Drehort geschafft.
In Frankfurt ging es dann für die Mädels alle in die Maske, aber auch die Jungs wurden zum Teil abgepudert.
Dann ging es los. Unsere Aufgabe war, uns ganz natürlich (wie immer) vor einem Auftritt zu verhalten. Was wir aber auf keinen Fall machen sollten, war direkt in die Kamera zu schauen.
So wurden verschiedene Einstellungen gedreht: Instrumente aus dem Hyundai ausladen. In Gruppen beieinander stehen und sich unterhalten, lachen, letzte Anweisungen geben usw., die Kamera ist dabei immer so zwischen uns durch. Als ich zum Beispiel die Uniform von Christine „gerichtet“ habe, ertönte hinter mir die Stimme „Do it again“. Kein Problem, also hab ich das Ganze wiederholt.
Später haben wir uns auch noch in Marschformation aufgestellt und Marcus hat als provisorischer Stabführer (Bernd mußte arbeiten) die Reihen ausgerichtet und wir sind anschließend ein paar Schritte vormarschiert, also haben wir den Einmarsch ins Stadion simuliert.
Da unsere Helme dunkel sind, haben wir ohne sie gedreht und auch die „Pom Poms“ der Gardemädels mussten weg bleiben, da sie zu amerikanisch gewirkt haben.
Gedreht wurde in einem Eingangsbereich des Frankfurter Stadions. Dort hat es gezogen wie „Hechtsuppe“ und da es keine 10 Grad hatte, haben wir ganz schön gefroren, aber da muss man durch. Insgesamt haben wir fast 4 Stunden gedreht, 4 Sekunden sollten im Werbespot daraus werden. Jetzt wurde einem erst richtig klar, warum bei Spielfilmen über viele Monate hinweg gedreht wird.
Zum Abschluss wird auch in das (bis auf ein paar Arbeiter) fast leere Stadion marschiert, obwohl wir nur die Hälfte der Mannschaft waren, war der Sound genial. Die wenigen Menschen im Stadion haben dann auch applaudiert.
Wie schön wäre es doch, einmal mit voller Besetzung wirklich vor Beginn eines Fußballspiels in ein Stadion einzumarschieren.
Hinterher waren wir alle der Meinung, dass der Dreh eine unvergessliche Erfahrung war– gerne wieder. Jeder Einzelne von uns musste den Vertrag mit dem Filmhersteller GROUP.IE unterschreiben und somit waren wir alle zur Verschwiegenheit verpflichtet. Erst nachdem jetzt der Werbespot im Fernsehen ausgestrahlt wurde, dürfen wir über den Dreh berichten und Bilder dazu veröffentlichen.
Man muß dennoch immer wieder staunen, wie lang man für die jetzt im Endeffekt ausgestrahlten knappen 2 Sekunden in der Kälte stehen und frieren muß. ;-)
Natascha Kurpanek